Das Schönheitsideal

Dünn, sportlich und wunderschön. So sollten die Frauen von heute aussehen. Meiner Meinung nach ist das totaler Schwachsinn! Wer von uns Menschen hat denn die Berechtigung zu sagen was die pure Schönheit darstellen sollte? Etwa nur Mode Designer? Reiche prominente Menschen? Ich sage: NEIN! Keiner sollte festlegen was wunderschön ist.

Egal ob man klein, groß, dick oder dünn ist. Ob man eine kleine oder große Nase hat. Jeder Mensch ist so wunderschön wie er von Natur aus ist. Klar, gerade wir Frauen haben oft etwas an uns zu meckern 😀 Aber ganz ehrlich? Woher kommt das wohl? Wir bekommen doch nichts anderes als schlanke, sexy posierende Frauen aufgedrängt. Die Models heutzutage haben mehr als nur Untergewicht, sie wagen es kaum etwas zu essen da sie einfach Angst haben nie wieder einen Job für den Laufsteg zu bekommen.  Sicherlich gibt es auch ein zwei Ausnahmen wo die Models nicht so stark untergewichtig sind, allerdings würde ich das als Nadel im Heuhaufen bezeichnen.

Ihr denkt bestimmt: Was berechtigt mich eigentlich darüber zu schreiben? Nun, ich bin der Meinung, dass dieses Thema unbedingt mal ausführlich angesprochen werden sollte und muss! Ich habe mir diesen Beitrag lange und vor allem gut überlegt. Es ist ein sehr persönlicher Beitrag. Mir ist durchaus bewusst, dass ich mit diesem Post vielleicht einige von meinen Lesern verlieren könnte.

ABER es ist immer noch mein Blog, welchen ich mit purer Leidenschaft führe. Ich liebe es mich mit euch auszutauschen und neue Dinge auszuprobieren. Es geht hier eigentlich um Kosmetik und Co., trotzdem spielt auch dieses Thema in diesem Zusammenhang eine große Rolle.

Gerade im Social Network werden die Schönheitsideale oftmals zu extrem dargestellt. Wir denken das eine wirklich sehr schöne Frau nur mit extrem viel Schminke gut aussehen kann. Wenn man diese Mädels einmal ungeschminkt fotografieren würde, würde man sie eventuell gar nicht mehr wiedererkennen.

Social Media

Super dünne Frauen lichten sich mit Hanteln und Co für Instagram ab um Erfolg damit zu haben. Hier möchte ich natürlich noch erwähnen, dass nicht alle Fitness Accounts so sind 😉 Wie man merkt, kann man mittlerweile kaum noch erkennen was Realität ist und was nicht.

Es macht mich wirklich traurig mit anzusehen wie wir anderen Menschen und vor allem die junge Generation so etwas vorleben. Junge Mädchen die gerade mal 12 oder 13 Jahre alt sind, sehen aus wie 18. Und warum? Weil sie sich komplett zu spachteln mit Make Up, sich dementsprechend kleiden und sogar in manchen Fällen in hohen Schuhen rumlaufen. Nicht dass ihr jetzt denkt: Sie widerspricht sich doch gerade selber oder nicht?

Hm, nun ich führe einen Blog der sich rund um das Thema Kosmetik dreht, allerdings bin ich der Meinung das auch alles irgendwo seine Grenzen hat. Ich schminke zum Beispiel meine AMUs weil es mir Spaß macht. Die Beautywelt hat auch seine schönen Seiten, nur kann ich die im Großen und Ganzen in der Social Media Welt aktuell leider nicht sehen.

Selbstbewusstsein

Gibt es das aktuell überhaupt noch? Da bin ich mir absolut unsicher, sind diese Frauen wirklich so selbstbewusst wie sie sich darstellen? Was ist echt und was gespielt?

In meinem Fall musste ich mir mein Selbstwertgefühl hart erkämpfen. Ich bin nicht gesund. Ich habe ein so geringes Selbstbewusstsein wie ein Sandkorn. Aber das ist für mich viel Wert. Ich arbeite jeden Tag daran es wachsen zu lassen. Es ist nicht immer einfach aber ich bin eine wahre Power Frau 🙂

Wieso das so ist? Puh, vor ab: Es wird jetzt sehr persönlich!

Ich möchte nicht allzu tief ins Detail gehen, aber dennoch so viel damit ihr mich verstehen könnt. Ich hatte eine wirklich sehr schöne Kindheit bis zu dem Zeitpunkt als ich dann in die weiterführende Schule kam. Als Streberin, Pummelchen (obwohl ich wirklich nicht dick oder moppelig war) und Junge wurde bezeichnete man man. Zu Anfang lies mich das total kalt. Ich dachte mir: Ach lasst mich doch in Ruhe. Dann eines Tages kam der Tag an den Fotos für eine Zeitung geschossen wurden. Alle Schulklassen wurden fotografiert. Ich stand in der ersten Reihe neben meiner besten Freundin, sie war für mich und alle anderen immer die Schönste aus der ganzen Klasse gewesen. Dann als wir uns die Bilder anschauten, meinte meine Freundin aus Spaß: Mensch, du bist aber echt dick Michelle. Und zack aus welchen Gründen auch immer legte sich an diesem Tag ein Schalter in meinem Kopf um.

Der Kampf

Ich fing an immer extremer Sport zu machen, legte zusätzliche Runden auf der Bahn im Leichtathletik Verein ab und ließ immer häufiger das Essen weg.  Jeden Morgen stieg ich dann auf die Waage um zu schauen wie viel Gramm ich abgenommen hatte. Aus den Gramm Zahlen wurden Kilo Zahlen. Und dann, irgendwann konnte ich mich nicht mehr konzentrieren, meine Laune war im Keller, ich fror obwohl es 27 Grad draußen war. Meine Noten wurden schlechter. Der Zwang immer und überall Sport zu machen war so stark das es schon schmerzte. Wenn ich abends zur Beruhigung für meine Eltern mal einen Apfel gegessen habe, verschwand ich anschließend schnell auf mein Zimmer und machte sämtliche Sportbewegungen. Situps, Liegestütze und Co waren meine Sucht.

 

Selbst meine Freunde konnten nichts tun. Immer mehr distanzierten sie sich, doch ich nahm es einfach nicht mehr war. Für mich war nun meine beste Freundin die Stimme in mir drin. Ich träumte immer von ihr, die schwarze Frau mit ihren langen dünnen Armen, den schwarzen Haaren, diese spitzen langen Fingernägel. Sie rief nach mir, komm zu mir, du musst noch weiter abnehmen, du bist es noch nicht wert! Hört sich verrückt an? Ja, aber es ist schlicht und einfach die Wahrheit.

Dann an einem Morgen schleppte mich meine Mutter zum Arzt. Die Ärztin meinte ich müsste sofort in eine Klinik und es sei überhaupt ein Wunder das ich noch gehen und leben würde. Sie sagte ich würde, wenn es so weitergeht eines morgens nicht mehr aufstehen. Mein Gewicht war zu dem Zeitpunkt 32kg bei einer Größe von 1,71. Dies soll kein Maßstab oder eine Motivation sein!!!!!

Depressionen

Trotz dieser Warnung ging ich am nächsten Tag ganz normal in die Schule, dachte nur: Pah, die können mich mal alle! Ich bin wirklich davon ausgegangen das mein Verhalten keinerlei Konsequenzen haben würde. Falsch gedacht. 1 Woche später kam dann das „Vorstellungsgespräch“ für eine Klinik. Ich saß einfach nur trotzig in diesem Raum während meine Eltern alles besprachen. Sie ließen mich einfach da, in dieser blöden Klinik wie ich mir dachte. Ich dachte sie würden mich nicht mehr lieben, weil sie mir sowas antaten. Ich hasste sie in diesem Moment mehr als alles andere. Tagelang blieb ich in meinem Zimmer und kam nur raus, weil ich etwas essen musste. Meine Bücher waren mein Zeitvertrieb.

Nachdem Essen ging ich lautlos und schnell ins Badezimmer um mich von den Kalorien und dem Essen wieder zu befreien. Ich wusste immer ganz genau wie ich mich verhalten musste, damit es nicht auffiel. Doch an einem Tag passte ich nicht genau auf und einer der Betreuer erwischte mich während dem übergeben. Nun war für mich kein Toiletten Besuch mehr gestatten ohne eine Begleitung. Und das schlimmste war: Ich bekam nach dem Essen eine Sitz Zeit von 30 Minuten. Das bedeutet so viel wie: Man darf sich 30 Minuten lang nicht bewegen und nur auf dem Sofa oder Stuhl sitzen. Das hört sich jetzt vielleicht nicht so schlimm für euch an, allerdings war es für mich die pure Hölle, ich musste es quasi ertragen wie mein Körper dicker wurde. Ich konnte es förmlich vor meinen Augen sehen (Dies ist natürlich kein gesundes denken!).

Die ersten 4 Wochen durfte ich keinen Kontakt mit meiner Familie haben. Ich sollte erst einmal ankommen und mich an diese Situation gewöhnen. Aber das tat ich nicht. Ich kämpfte in dieser Zeit wie eine Löwin um jedes Gramm und um jede Kalorie. Die Therapeuten verzweifelten an mir, ich ließ einfach niemanden an mich heran. Irgendwann beschlossen die Ärzte dann mich mit Flüssignahrung und einer Sonde zu ernähren. Es ist die Hölle gewesen, die pure Hölle! Dann als ich endlich stabil genug in den Augen der Ärzte war, durfte ich wieder ganz normal mit den anderen essen und an Aktivitäten teilnehmen. Es gab da ein Mädchen welches unheimlich gut Klavier spielen konnte, ich hörte ihr immer sehr gerne dabei zu. Alles andere machte ich aber kaum mit.

Irgendwann durfte ich dann auch endlich mal an einem Wochenende nach Hause. Vorher wurde ich allerdings immer gewogen. Passte das Gewicht nicht, so durfte ich dann natürlich auch nicht mit meinen Eltern gehen. Irgendwann hatte ich dann den Trick raus wie ich immer egal ob ich nun wirklich zugenommen hatte oder nicht nach Hause durfte. Ich trank morgens vor dem wiegen einfach eine 1 Liter Flasche Sprudel. Klar tat mir mein Bauch tierisch weh, aber so trickste ich die Leute damals aus… Aber auch das viel dann beim 5. Mal auf. Und so konnte ich vor dem wiegen dann immer in Begleitung auf die Toilette.

Nach einem Jahr Klinik Aufenthalt wurde ich dann endlich entlassen. Aber leider hat der Klinikaufenthalt bei mir nicht die Magersucht bekämpfen können. Ich habe zwar zugenommen, zumindest so viel damit ich ein relativ normales Gewicht hatte, dennoch gesund war ich nicht.

Die ganze Geschichte fing von vorne an, ich trieb Sport, aß nicht viel und nahm wieder ganze 7Kg ab. Und schon war ich wieder in der Klinik gelandet. Diesmal war es aber nicht so das ich wieder nach dem ganzen nach Hause durfte, nein, ich kam in eine Wohngruppe für Essgestörte. Ich weinte tagelang, ich hasste wieder meine Eltern, weil sie mich einfach so weggaben. Abhauen war für mich immer das einzige Ziel, ich lief zu meiner Oma. Sie rief meine Eltern an, diese brachten mich dann wieder zurück in die Gruppe. So ging das leider jahrelang hin und her.

Trotz allem was ich durchgemacht habe, bin ich froh darüber das meine Eltern so gehandelt haben! Sie haben mir mein Leben und meine Zukunft gerettet. Und dafür bin ich ihnen unheimlich dankbar 🙂

Schlusswort

Ich möchte hier nicht weiter ins Detail gehen, mich kostet es einfach zu viel Kraft noch tiefer in meine Vergangenheit zu graben. Dass was ich euch nun mit meinem Beitrag sagen möchte ist: Dieser Kampf den ich geführt habe nur, weil man mir sagte ich sei dick, ist bis heute noch nicht beendet und wird es leider auch nie sein. Meine Krankheit die Magersucht ist chronisch. Das bedeutet, ich werde immer damit „leben“ müssen. Auch wenn ich es aktuell im Griff habe, kann es wieder zu jedem Zeitpunkt „ausbrechen“ Auch wenn der Text vielleicht nicht perfekt geschrieben wurde (manchmal kommen die Gefühle mit mir durch) hoffe ich doch, dass ich euch eventuell zum nachdenken gebracht habe.

Dieser Beitrag dient nicht dazu um Mitleid oder ähnliches zu bekommen. Ich möchte einfach klarmachen wie gefährlich das Ganze ist. Dieses falsche Bild von Schönheit was uns durch die gesamten Medien vermittelt wird, kann auch ganz schön schiefgehen. Viele Mädchen, Jungen, Männer und Frauen sind an dieser Krankheit erkrankt und sterben teilweise dran. Ist es das wirklich wert?!!!! Bitte, hört NIE auf diese ganzen Bilder. Sie geben euch nicht die Realität sowie sie ist!

Dieser Teufelskreis ist es absolut nicht wert nur um Aufmerksamkeit zu erlangen…

Was sagt ihr über das Thema? Findet ihr meinen Beitrag übertrieben? Ich bin auf eure Kommentare und unseren Austausch gespannt. Bis dann

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Michelle

Ich bin Michelle und lebe in Schwerte. Auf meinem Blog vereine ich meine Leidenschaften Kochen, Mode, Lifestyle und Beauty miteinander. Ich wünsche dir viel Spaß hier!

One Comment

  1. Hallo Michelle!
    Ein sehr ehrlicher Bericht!
    Ich finde es selber auch schrecklich, wie den Mädels eingeredet wird, wieviel Kilos man auf die Waage bringen darf, oder (wie in meinem Alter), wieviele Falten man haben darf.
    Und aus den Zeitschriften lächeln uns irgendwie immer die gleichen „Einheits-Gesichter“ entgegen. Bloß keine Pore, bloß keine Falte… und schon gar kein Doppelkinn! Wie langweilig!
    Wir nehmen für unsere Fotoshootings ganz bewußt „normale“ Menschen, gerne auch mit Rundungen und Fältchen.
    Einaml hatten wir ein Model vor der Kamera, das wir ganz natürlcih in Szene gesetzt haben. Sie klagte dann über „Doppelkinn“ und „Dicken“ Bauch auf den Bildern … und wir sollten das tatsächlich retuschieren, damit wir die Bilder veröffentlichen durften. Nun, du wirst sie auf unserem Blog nicht finden, denn wir wollten diese FAKES nicht . Wenn ich heute ihre Fotos bei Agenturen sehe… ja, sie sieht in Natura ganz anders aus.
    Natürlich schminke ich unsere Modelle , und ich schminke von Beruf aus gerne! Make-up kann so viel Schönes noch mehr betonen!
    Natürlich haben wir auch bearbeitete Bilder auf unserem Blog, da werden aber Effekte eingearbeitet, und keine “ Chirurgischer Eingriffe“ gemacht 😉
    Jeder Mensch ist einzigartig, jeder ein ganz besonderes Wunder der Schöpfung! Schade, dass viele sich nicht als solche akzeptieren.
    Ganz liebe Grüße,
    Annette

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